Schlaf, Stress und die Nächte, in denen plötzlich alles anders wurde

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Schlaf war für mich früher etwas ausgesprochen Unspektakuläres.

Man wurde müde.

Man ging ins Bett.

Man schlief.

Ende der Geschichte.

Irgendwann änderte sich das.

Nicht dramatisch.

Eher schleichend.

Ich wachte häufiger auf.

Lag nachts plötzlich wach.

Manchmal mit Herzklopfen.

Manchmal mit diesem Gefühl, dass mein Körper müde war, mein Kopf aber offensichtlich eine wichtige Konferenz einberufen hatte.

Natürlich nachts.

Wann sonst.

Dann gingen die Gedanken los.

Was muss morgen erledigt werden?

Habe ich diese eine Sache vergessen?

Warum habe ich gestern eigentlich das gesagt?

Was ist mit den Kindern?

Was ist mit der Arbeit?

Was ist mit mir?

Und warum denke ich um 3.17 Uhr plötzlich über Dinge nach, die mir tagsüber völlig egal waren?

Nachts bekommen Probleme ja gerne eine sehr eigene Dramaturgie.

Tagsüber denkt man:

Das wird schon.

Nachts denkt man:

Vielleicht muss ich mein gesamtes Leben neu ordnen.

Und irgendwann merkte ich, dass schlechter Schlaf und Stress sich gegenseitig ziemlich zuverlässig verstärkten.

Ich war müder.

Dadurch dünnhäutiger.

Dadurch gestresster.

Dadurch schlief ich schlechter.

Ein wirklich hervorragend funktionierender Kreislauf.

Nur leider in die falsche Richtung.

Dazu kamen die Wechseljahre.

Und plötzlich schien mein Körper nachts andere Vorstellungen davon zu haben, was Ruhe eigentlich bedeutet.

Manchmal war mir zu warm.

Dann wieder zu kalt.

Die Decke störte.

Ohne Decke ging es auch nicht.

Und irgendwann lag ich da und dachte:

Früher musste ich nur müde sein.

Heute brauche ich offenbar perfekte Temperatur, keine Sorgen, einen ruhigen Kopf, vernünftige Hormone und vermutlich noch eine günstige Mondphase.

Was mich aber am meisten überraschte:

Wie sehr schlechter Schlaf meinen ganzen nächsten Tag beeinflusste.

Nicht nur meine Stimmung.

Auch meinen Hunger.

Meine Geduld.

Meine Lust auf Süßes.

Meine Bereitschaft, mich zu bewegen.

Und meine Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen.

Plötzlich verstand ich besser, warum ich nach schlechten Nächten nicht unbedingt Lust auf einen großen Salat mit frischen Kräutern hatte.

Mein Körper wollte Energie.

Schnell.

Am liebsten mit Zucker.

Und möglichst sofort.

Früher hätte ich das wahrscheinlich als mangelnde Disziplin abgetan.

Heute sehe ich darin eher ein Signal.

Wenn ich schlecht schlafe, ist mein ganzer Tag ein bisschen anfälliger.

Nicht verloren.

Aber empfindlicher.

Und genau deshalb gehört Schlaf heute für mich genauso zu meinem neuen Weg wie Essen und Bewegung.

Vielleicht sogar mehr, als ich lange wahrhaben wollte.

Denn man kann seinen Körper schlecht überzeugen, sich zu erholen, während man ihm gleichzeitig jede Nacht die Pause verweigert.

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