Mein Bauch und ich

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Mein Bauch und ich hatten früher ein ziemlich entspanntes Verhältnis.

Er war da.

Ich war da.

Wir machten kein großes Aufheben darum.

Dann kamen die Jahre.

Und irgendwann auch die Wechseljahre.

Und mein Bauch beschloss offenbar, sich stärker in mein Leben einzubringen.

Früher nahm ich zu und ab, ohne dass sich eine bestimmte Körperstelle besonders wichtig gemacht hätte.

Heute scheint mein Körper sehr genaue Vorstellungen davon zu haben, wo zusätzliche Reserven hingehören.

Nämlich ziemlich zuverlässig in die Körpermitte.

Man könnte sagen:

Mein Bauch hat Karriere gemacht.

Er ist sichtbarer geworden.

Präsenter.

Und ganz offensichtlich deutlich selbstbewusster.

Was mich daran anfangs besonders störte, war gar nicht nur die Zahl auf der Waage.

Es war dieses Gefühl, meinen eigenen Körper plötzlich anders zu erleben.

Hosen saßen anders.

Oberteile fielen anders.

Und Dinge, die früher selbstverständlich funktionierten, taten es plötzlich nicht mehr.

Man steht dann vor dem Spiegel und denkt:

Wann genau ist das passiert?

Natürlich kennt man die Antwort meistens nicht.

Denn so etwas geschieht ja nicht über Nacht.

Es ist eher wie bei einem Zimmer, das langsam voller wird.

Hier etwas.

Da etwas.

Und irgendwann schaut man hinein und fragt sich, warum man plötzlich keinen Platz mehr hat.

Ich habe lange versucht, meinen Bauch als Problem zu betrachten.

Als etwas, das weg muss.

Als Beweis dafür, dass ich nicht diszipliniert genug war.

Heute versuche ich etwas anderes.

Ich nehme ihn ernst.

Nicht in dem Sinne, dass ich ihn großartig finden muss.

So weit bin ich nicht jeden Tag.

Aber ich möchte nicht mehr jeden Morgen in einen kleinen Krieg mit meinem Körper ziehen.

Denn dieser Bauch gehört zu mir.

Er erzählt auch etwas.

Von Schwangerschaften.

Von Jahren.

Von Stress.

Von Genuss.

Von Veränderungen.

Und ja, auch davon, dass ich in den letzten Jahren mehr gegessen und mich weniger bewegt habe, als mir gutgetan hat.

Aber er ist nicht mein Feind.

Das musste ich erst lernen.

Vielleicht ist das überhaupt eine der schwierigsten Aufgaben beim Älterwerden.

Nicht ständig zu fragen:

Wie bekomme ich meinen alten Körper zurück?

Sondern:

Wie möchte ich mit diesem Körper heute umgehen?

Ich möchte meinen Bauch nicht schönreden.

Aber ich möchte auch nicht mehr so tun, als sei er eine persönliche Niederlage.

Er ist gerade ein Teil von mir.

Und während ich daran arbeite, gesünder zu werden, versuche ich gleichzeitig, ihn nicht jeden Tag dafür zu bestrafen, dass er sichtbar ist.

Wir kannten uns früher anders.

Stimmt.

Aber vielleicht müssen wir uns einfach neu kennenlernen.

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