Ich esse doch gar nicht mehr als früher. Warum nehme ich trotzdem zu?

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Ich esse doch gar nicht mehr als früher.

Diesen Satz habe ich mir in den letzten Jahren ziemlich oft gesagt.

Und vermutlich war er sogar teilweise wahr.

Ich saß ja nicht plötzlich jeden Abend mit einer Familienpackung Eis auf dem Sofa und hatte beschlossen, meine Ernährung komplett an eine amerikanische Sitcom anzupassen.

Ich aß.

Wie früher auch.

Vielleicht hier etwas mehr.

Dort ein bisschen öfter.

Aber doch nicht so viel mehr, dass sich plötzlich zwanzig Kilo erklären ließen.

Zumindest fühlte es sich für mich so an.

Und genau das war wahrscheinlich einer der Gründe, warum ich so lange nicht wirklich hinschauen wollte.

Denn wenn man das Gefühl hat, gar nicht groß etwas verändert zu haben, wirkt eine deutliche Gewichtszunahme fast ein bisschen unverschämt.

Als hätte der eigene Körper beschlossen, die Buchhaltung heimlich zu manipulieren.

Früher konnte ich vieles problemlos wegstecken.

Ein paar Tage üppiger essen.

Ein Urlaub.

Kuchen.

Abendessen.

Später noch etwas Süßes.

Mein Gewicht reagierte darauf erstaunlich gelassen.

Dann kam irgendwann dieser Moment, an dem dieselben Dinge plötzlich andere Folgen hatten.

Und ich dachte zunächst:

Das kann doch nicht sein.

Vielleicht ist die Waage kaputt.

Vielleicht sitzt die Jeans komisch.

Vielleicht ist das Wasser.

Vielleicht sind es Hormone.

Vielleicht ist heute einfach kein guter Wiegetag.

Der Mensch ist ausgesprochen erfinderisch, wenn es darum geht, unangenehme Wahrheiten etwas nach hinten zu schieben.

Bei mir kam noch etwas dazu.

Die Wechseljahre kündigten sich an.

Nicht mit einem offiziellen Schreiben.

Eher mit kleinen Veränderungen, die man zunächst wunderbar ignorieren konnte.

Der Schlaf wurde schlechter.

Stress fühlte sich anders an.

Mein Körper speicherte Gewicht plötzlich an Stellen, die früher nicht besonders ambitioniert gewesen waren.

Und meine bewährte Strategie, einfach einmal ein paar Tage weniger zu essen, beeindruckte ihn ungefähr so sehr wie eine höfliche Beschwerde beim Wetter.

Nämlich gar nicht.

Das war neu für mich.

Und ehrlich gesagt auch ziemlich beleidigend.

Denn ich hatte mich jahrzehntelang darauf verlassen können, dass mein Körper auf meine alten Tricks reagiert.

Nun tat er es nicht mehr.

Irgendwann musste ich mir deshalb eine andere Frage stellen.

Nicht:

Warum funktioniert mein Körper nicht mehr wie früher?

Sondern:

Warum erwarte ich eigentlich, dass er mit über fünfzig noch genauso funktioniert wie mit fünfunddreißig?

Das klingt im Nachhinein ziemlich logisch.

In dem Moment fühlte es sich trotzdem ein bisschen wie Verrat an.

Denn niemand hatte mir gesagt, dass man irgendwann nicht nur neue Lesebrillen braucht, sondern offenbar auch eine neue Bedienungsanleitung für den eigenen Stoffwechsel.

Heute versuche ich deshalb weniger darüber nachzudenken, was früher problemlos ging.

Mich interessiert viel mehr:

Was funktioniert für mich heute?

Denn vielleicht ist genau das der Punkt.

Mein Körper macht nicht plötzlich alles falsch.

Er macht nur nicht mehr alles so wie früher.

Und offenbar bin ich diejenige, die sich jetzt an die neuen Geschäftsbedingungen gewöhnen muss.

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