Früher bestand mein Morgen im Wesentlichen aus Kaffee.
Nicht Wasser.
Nicht Meditation.
Nicht fünf Minuten Journaling.
Nicht irgendeinem kleinen Ritual für Körper und Seele.
Kaffee.
Möglichst schnell.
Möglichst heiß.
Und wenn mich vorher jemand ansprach, musste er damit rechnen, dass unsere Beziehung einen kleinen Kratzer bekam.
Heute sieht mein Morgen anders aus.
Nicht spektakulär anders.
Ich stehe nicht bei Sonnenaufgang auf, rolle eine Yogamatte aus und begrüße meinen Tag mit einem Lächeln, während irgendwo leise Klangschalen spielen.
Dafür bin ich schlicht nicht der Typ.
Aber ich habe ein paar Dinge verändert.
Langsam.
Und vor allem so, dass sie auch an einem Dienstag funktionieren, an dem ich schlecht geschlafen habe und niemanden beeindrucken möchte.
Das Erste, was ich heute mache, ist trinken.
Bevor der Kaffee kommt.
Das war für mich tatsächlich eine Umstellung.
Denn Kaffee war früher kein Getränk.
Kaffee war ein Grundrecht.
Heute trinke ich zuerst mein Zitronenwasser.
Und während ich das tue, bereite ich mir meine Getränke für den Tag vor.
Kräutertee.
Wasser.
Mineralwasser.
Nichts Besonderes.
Aber es steht da.
Und genau das ist für mich der entscheidende Unterschied.
Ich muss später nicht daran denken.
Ich habe morgens schon dafür gesorgt.
Danach kommen meine Kapseln.
Nicht, weil ich morgens plötzlich hoch diszipliniert bin.
Sondern weil ich gelernt habe, dass ich neue Gewohnheiten an etwas hängen muss, das ohnehin stattfindet.
Aufstehen.
Trinken.
Kapseln.
Erst dann Kaffee.
Kein kompliziertes System.
Keine App.
Keine sieben Erinnerungen im Handy.
Einfach eine Reihenfolge.
Und irgendwann kommt dann auch mein Frühstück.
Heute allerdings nicht mehr sofort.
Denn inzwischen lasse ich meinem Körper über Nacht eine längere Essenspause und frühstücke nach ungefähr 16 Stunden wieder.
Auch das war für mich zunächst ungewohnt.
Früher hätte ich vermutlich schon beim Gedanken an sechzehn Stunden ohne Essen vorsorglich einen Snack eingepackt.
In den ersten beiden Monaten machte ich es mir deshalb so einfach wie möglich.
Ich löffelte morgens einen Heavy Metal Detox Smoothie.
Nicht, weil ich morgens plötzlich zu jener Frau geworden war, die mit zwölf Superfoods, drei Pulvern und einem Mixer voller exotischer Zutaten in den Tag startet.
Sondern weil er einfach war.
Und weil er mir schmeckte.
Und ganz ehrlich, wenn man schon beginnt, sein halbes Leben umzustellen, darf wenigstens das Frühstück unkompliziert sein.
Außerdem begegnete mir dieser Smoothie bei meiner damaligen Recherche immer wieder im Zusammenhang mit Lebergesundheit und Entlastung.
Ob das alles wirklich so wirkte, wie es im Internet klang, wusste ich nicht.
Aber zu diesem Zeitpunkt war ich ohnehin in jener Phase, in der ich ungefähr alles las, was die Worte Leber, Detox oder gesund in irgendeiner Reihenfolge enthielt.
Der Smoothie hatte allerdings einen entscheidenden Vorteil:
Ich musste morgens nicht überlegen.
Keine große Auswahl.
Keine Diskussion mit mir selbst.
Kein: Was esse ich heute?
Einfach zubereiten.
Löffeln.
Fertig.
Und genau das passte zu meinem neuen Prinzip.
Je weniger Entscheidungen ich morgens treffen musste, desto größer war die Chance, dass ich meine neue Routine tatsächlich durchhielt.
Nach dem Frühstück kommt mein Liter Mineralwasser mit Eiswürfeln, etwas Zitrone und Blutorange.
Klingt fast wie Urlaub, ist aber schlicht mein Trick, damit ich bis mittags nicht wieder vergesse zu trinken.
Und genau das ist eigentlich mein gesamter Morgen heute:
Nicht perfekt.
Nicht besonders instagrammable.
Aber verlässlich.
Ein paar Dinge, die ich in derselben Reihenfolge mache.
Jeden Tag.
Und je länger ich das tue, desto weniger muss ich darüber nachdenken.
Das ist für mich inzwischen viel wertvoller als jede Motivation.
Denn Motivation ist wunderbar.
Aber sie hat leider die unangenehme Angewohnheit, morgens manchmal einfach nicht zu erscheinen.
Meine Routine schon.
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